Vorsicht vor Adressbuchschwindlern


Zürich, 16.06.2021

Immer wieder versuchen dubiose Firmen, Unternehmen zum Abschluss nutzloser Verträge zu bewegen. Häufig werden ihnen Einträge in angeblich attraktiven Telefonverzeichnissen, Branchen-, Firmen- und Markenregistern offeriert. Vordergründig erscheinen die Dienste kostenfrei zu sein. Tatsächlich versuchen unseriöse Unternehmen damit, unbemerkt kostenpflichtige Vertragsabschlüsse zu erzielen.

Aktuell sind wieder Adressbuchschwindler unter falschem Namen aktiv: localsearch.sarl. Sie versenden Formulare (siehe Beispiel unten) mit der Aufforderung, Ihre Firmendaten zu aktualisieren und das Formular via Fax zu retournieren. Reagieren Sie auf keinen Fall auf diese Aufforderung!

Solche Angebote erhalten Betriebe gemäss SECO (Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft) beispielsweise per Telefon oder von einem Vertreter, der persönlich zu Besuch kommt. Besonders häufig werden aber entsprechende Schreiben per Fax verbreitet. Sie enthalten neben einem Adresskorrekturfeld auch viel Kleingedrucktes. Bisweilen sehen die Formulare so aus, als wären sie von einem offiziellen oder bekannten Verzeichnis – wie zum Beispiel local.ch oder search.ch.

Solche Schreiben sollten weder unterschrieben noch zurückgeschickt werden. Ansonsten können Sie sich unwillentlich schnell in einem teuren Vertrag wiederfinden. Durch Rechnungen, Mahnungen und Betreibungsandrohungen fordern die Betrüger dann entsprechende Zahlungen ein. 

Des Weiteren kommt es vor, dass fiktive Rechnungen für Einträge auch ohne einen vorhergehenden Kontakt zugestellt werden. Hierbei versuchen sich die Betrüger die Komplexität von Unternehmen zunutze zu machen. So hoffen sie, dass Firmen mit umfangreichen Organisationsstrukturen im hektischen Alltag den Zahlungsforderungen nachkommen, ohne sie genau zu prüfen. 

Achtung vor Betrügern: Lassen Sie sich nicht täuschen!

Leider treiben verschiedene dubiose Branchenverzeichnisanbieter mit ihren zweifelhaften Angeboten bei Schweizer Firmen ihr Unwesen. Verzeichnisschwindler operieren mit Firmennamen oder Bezeichnungen, die seriösen Anbietern wie local.ch oder search.ch ähneln und somit leicht von Ihnen verwechselt werden können.


So erkennen Sie Betrüger:

  • Aufforderung zu Antwort per Fax
  • Aufforderung zu Angabe von Kreditkartendetails
  • Verwendung von ausländischen Telefonnummern (bspw. «004», «+49», etc.)
  • Verwendung von Email-Adressen, die nicht «localsearch.ch» enthalten
  • Sonderbare Bezeichnungen: Adressbuchschwindler verwenden Firmennamen (bspw. Localsearch Switzerland, Local-Search Switzerland, etc.), Logos, Produktbeschreibungen, Email-Adressen und Website-Links, welche von Kunden mit seriösen Anbietern verwechselt werden können
  • Die Identität des Absenders ist praktisch in allen Fällen unklar und kann kaum nachverfolgt werden


Beispiel eines Täuschungsversuchs:

Was steht dazu im Gesetz? (Quelle: SECO)

Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe p des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) erklärt:

Art. 3 Abs. 1 lit. p UWG:

Unlauter handelt insbesondere, wer mittels Offertformularen, Korrekturangeboten oder Ähnlichem für Eintragungen in Verzeichnisse jeglicher Art oder für Anzeigenaufträge wirbt oder solche Eintragungen oder Anzeigenaufträge unmittelbar anbietet, ohne in grosser Schrift, an gut sichtbarer Stelle und in verständlicher Sprache auf Folgendes hinzuweisen:

  1. die Entgeltlichkeit und den privaten Charakter des Angebots,
  2. die Laufzeit des Vertrags,
  3. den Gesamtpreis entsprechend der Laufzeit, und
  4. die geografische Verbreitung, die Form, die Mindestauflage und den  spätesten Zeitpunkt der Publikation.

Art. 3 Abs. 1 lit. q des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ergänzt:

Art. 3 Abs. 1 lit. q UWG:

Unlauter handelt insbesondere, wer für Eintragungen in Verzeichnisse jeglicher Art oder für Anzeigenaufträge Rechnungen verschickt, ohne vorgängig einen entsprechenden Auftrag erhalten zu haben.

Fragen und Antworten (Quelle: SECO)


Ich habe ein Formular für die Eintragung in ein Verzeichnis oder für einen Anzeigenauftrag erhalten - worauf muss ich mich achten?

Oftmals handelt es sich um vorgedruckte Formulare, die bereits die Angaben Ihres Unternehmens enthalten. Als Unternehmer oder Unternehmerin werden Sie aufgefordert, Ihre Angaben zu überprüfen und das Formular unterschrieben zurückzusenden. Das Angebot scheint gratis, doch mit der Unterschrift wird in den meisten Fällen ein Vertrag für einen kostenpflichtigen Eintrag in ein Register oder für die Publikation von Anzeigen geschlossen. Um dies zu vermeiden, beachten Sie unsere folgenden Empfehlungen:

  • Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht genau gelesen und verstanden haben.
  • Sind Sie nicht sicher, ob es sich um ein seriöses Angebot handelt, fragen Sie nach dem Anbieter und ziehen Sie Erkundigungen über diesen ein (z.B. Internetrecherche). Unterschreiben Sie im Zweifelsfall nichts.


Was soll ich tun, wenn ich das täuschende Offertformular bereits unterschrieben und zurückgesendet habe?

Senden Sie am besten sofort einen eingeschriebenen Brief an den Absender des Offertformulars und fechten Sie den Vertrag an. Eine Kopie der Anfechtung sowie aller weiteren Korrespondenzen sollten Sie aufbewahren.
Das Anfechtungsschreiben sollte im Minimum folgenden Inhalt haben: „Ich bin durch Ihr Formular getäuscht worden. Deshalb fechte ich einen allenfalls abgeschlossenen Vertrag wegen Irrtums und absichtlicher Täuschung an. Der Vertrag ist somit unverbindlich."


Wie verhalte ich mich, wenn ich trotz Anfechtung des Vertrags weitere Rechnungen, Mahnungen oder einen Zahlungsbefehl vom Betreibungsamt erhalte?

Sollten trotz Anfechtung weitere Rechnungen oder Mahnungen bei Ihnen eintreffen, brauchen Sie auf diese nicht mehr zu reagieren. Eine einmalige Anfechtung genügt grundsätzlich.

Schaltet sich ein Inkassobüro ein, empfiehlt es sich, auch diesem eine Kopie des Anfechtungsschreibens zu senden, um auf die Ungültigkeit des Vertrags hinzuweisen.

Erhalten Sie einen Zahlungsbefehl vom Betreibungsamt, können Sie innert 10 Tagen Rechtsvorschlag erheben. Mit dem Rechtsvorschlag erklären Sie, dass Sie mit der Forderung nicht einverstanden sind. Durch den Rechtsvorschlag wird das Betreibungsverfahren unterbrochen und es liegt anschliessend am Gläubiger, das Betreibungsverfahren fortzusetzen und seine Forderung vor Gericht zu belegen.


Was kann ich gegen die Adressbuchschwindler unternehmen?
  • Sie können sich beim SECO beschweren: Link zum Beschwerdeformular

    Das SECO kann gegen Adressbuchschwindler eine Straf- oder Zivilklage wegen unlauteren Wettbewerbs einreichen, falls Kollektivinteressen, d.h. die Interessen einer Vielzahl von Personen, bedroht oder verletzt sind. In Einzelfällen kann das SECO nicht intervenieren.

  • Als betroffene Person haben Sie auch die Möglichkeit, selber Strafanzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft wegen unlauteren Wettbewerbs einzureichen oder ein Zivilverfahren anzustreben.

Hinweis

Unternehmer werden immer wieder Opfer von Adressbuchbetrügern, weil sie erhaltene Formulare nicht genau lesen. Denn wer diese unbedacht unterschreibt und zurücksendet, hat unwillentlich einen kostenpflichtigen Vertrag abgeschlossen. Das kann nicht nur teuer werden, sondern auch Zeit und Nerven kosten.