«Die Schweiz ist ein Land der Qualität und der persönlichen Beziehung. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer befürchten, dass Technologie diese Stärke untergräbt. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Ich behaupte sogar: Künstliche Intelligenz stärkt das Lokale. Indem sie administrative Hürden abbaut, Komplexität reduziert und die Sichtbarkeit erhöht, schafft sie Freiraum für das, was KMU auszeichnet: Nähe zu Kundinnen und Kunden, Handwerk, persönliche Beratung und unternehmerisches Denken. Kommt hinzu: KI ist nicht länger Zukunftsmusik. Sie ist Realität – und gekommen, um zu bleiben.
Doch die Geschichte der Digitalisierung ist keine Geschichte neuer Tools. Es ist eine Value Migration, also eine Wertmigration, die schon früher begann. Mit dem Aufkommen des Internets verlagerte sich der Wert vom stationären Handel hin zu Online‑first‑Playern. In vielen Geschäftssparten wurden die Karten dadurch neu gemischt – von Unterhaltungselektronik über Bücher bis hin zu Fashion.
Manche Unternehmen blieben auf der Strecke. Und das nicht etwa, weil ihre Produkte schlechter wurden, sondern weil sich der Zugang zu den Produkten hin zur Kundschaft verschob.
Wer für KI-Agenten nicht lesbar ist, findet nicht statt.
Mit Google hielt die Online-Suche im grossen Stil Einzug. Auffindbarkeit wurde zur Existenzfrage – und ist es heute noch: Wer nicht sichtbar ist, existiert für die Kundinnen und Kunden faktisch nicht. Digitale Reputation wird zum Kapital.
Künstliche Intelligenz verschiebt den Zugang nun erneut – nur schneller und tiefer. Wir stehen also vor der nächsten Value Migration. Und sie ist weitreichender als alle zuvor. Denn KI wirkt auf sämtlichen Stufen der Wertschöpfung: bei der Sichtbarkeit, bei der Auswahl, bei der Entscheidung.
Conversational Search, sprich eine dialogorientierte Suche, löst immer häufiger klassische Suchprozesse ab. Und zunehmend entscheiden Aggregatoren und KI‑Systeme, welche Anbieter relevant sind. Wer auf KI setzt, entscheidet sich folglich nicht gegen die Tradition oder das Handwerk – sondern für die Zukunftsfähigkeit.
Ein Aspekt wird dabei noch unterschätzt: Was passiert, wenn ein relevanter Teil der kaufwilligen Nutzer keine Menschen mehr sind, sondern KI‑Agenten? Diese Agenten vergleichen, priorisieren und filtern Angebote datenbasiert. Für sie zählen Struktur, Konsistenz, Verlässlichkeit und Reputation. Emotionen, Schaufenster oder Geschichten spielen keine Rolle. Wer für Maschinen nicht auffindbar, vergleichbar und vertrauenswürdig ist, wird nicht berücksichtigt.
KI ist kein IT‑Projekt, sondern ein Führungsentscheid
Gerade für Schweizer KMU ist künstliche Intelligenz deshalb eine enorme Chance. Und die Einstiegshürden sind so tief wie nie zuvor. Was früher teure Spezialistenteams erforderte, ist heute zugänglich. Von automatisierten Buchungssystemen über intelligentes Kundenmanagement und datenbasierten Entscheidungen bis hin zu optimierter Sichtbarkeit. KI ist breit verfügbar, skalierbar und bezahlbar. Damit ist KI auch der grosse Gleichmacher. Sie gibt kleinen Betrieben die Werkzeuge der Grossen in die Hand – ohne Skalierungskosten.
In Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern höre ich oft dieselbe Frage: Was bringt mir KI konkret im Alltag? Die ehrliche Antwort: Sie vereinfacht die Komplexität und nimmt einem Arbeit ab. KMU leiden heute weniger an mangelnder Technologie als an administrativem Aufwand, Fachkräftemangel und fragmentierten digitalen Anforderungen. Künstliche Intelligenz schafft dort Effizienz, wo sie überlebenswichtig wird.
Die entscheidende Frage für Schweizer KMU ist nicht mehr, ob KI relevant ist. Die Frage ist, ob sie aktiv genutzt oder passiv erduldet wird. Wer KI delegiert oder ignoriert, verliert die strategische Kontrolle. Wer sie integriert, gewinnt Zeit, Relevanz und unternehmerischen Spielraum. Darum ist KI auch kein IT-Projekt, sondern ein Führungsentscheid.
Am Ende ist nicht die Grösse eines Unternehmens ausschlaggebend für den Erfolg, sondern die Intelligenz, mit der Ressourcen eingesetzt werden. Nutzen wir künstliche Intelligenz also dafür, das Lokale ins digitale Zeitalter zu führen.»
Stefano Santinelli, CEO localsearch
